Ein Schloss am Rhein
Der Schlossturm ist das letzte oberirdisch erhaltene Gebäude des Düsseldorfer Residenzschlosses am Rheinufer. Es entstand aus einer Burg, die wohl nach der Stadterhebung 1288, erstmals erwähnt im Jahr 1386, zunächst in Form eines einfachen Wehrturmes erbaut wurde. Hiermit sicherten sich die Bergischen Landesherren ihren Zugang zum Rhein.
Im 16. Jahrhundert entschieden sich die Herzöge von Jülich-Kleve-Berg für Düsseldorf als Hauptresidenz. Nach Aus- und Umbauten präsentierte sich um 1550 das Schloss als Dreiflügelanlage mit geschlossenem Innenhof zur Stadtseite. Wilhelm der Reiche ließ sein Schloss von italienischen Architekten modern gestalten. Zu dieser Zeit entstand der nord-östliche runde Eckturm, der heutige Schlossturm. Zur Aufrichtung der Turmspitze reiste der Herzog 1552 eigens aus Kleve an.
Noch zur Zeit der Herrscher aus dem Hause Pfalz-Neuburg wurde das erste Obergeschoss des Turms als Sakristei der Schlosskapelle im anschließenden Flügel genutzt. Nachdem einer Instandsetzung des Schlosses im 18. Jahrhundert diente die zweite Etage als Garderobe und Kammerdienerraum, die dritte als „Damenstube“ zum Aufenthalt der Hofdamen.
Seit 1794 stand das Schloss nach dem Bombardement der Franzosen als „schauerliche Ruine“ am Rheinufer. Der Nordflügel war völlig zerstört. Der Turm brannte zwar aus, doch seine Außenmauern blieben stehen.
Erst über 50 Jahre später wurde der Nordflügel und der Schlossturm unter preußischer Herrschaft als Ständehaus neu aufgebaut. Der Turm erhielt ein zusätzliches Aussichtsgeschoss, die „Laterne“.
Bereits 1872 sollte ein erneuter Großbrand das Schicksal des Schlosses besiegeln: Die Stadt Düsseldorf konnte den Wiederaufbau nicht finanzieren und plante ein anderes Großprojekt, den Bau der Straße am Rheinufer mit neuen, tiefer gelegenen Werftanlagen. Hierfür stand das Schloss im Weg. Der damalige Eigentümer, der preußische König stimmte den Abrissplänen unter einer Auflage zu: Der runde Schlossturm muss erhalten werden und der Burgplatz darf nie wieder bebaut werden!
In Folge erhielt der Turm 1892 einen neuen Eingang, den das rote Sandsteinportal mit dem darüber liegenden Balkon einfasst. Die letzten Reste des Nordflügels wurden wohl 1893 beseitigt. Verschiedene Vereine nutzten nun den Turm. Sein Kellergewölbe war an Altwaren- und Gemüsehandler vermietet, die auf dem Burgplatz ihre Waren anboten.
Eine dringende Reparatur am Dach ließ 1907-1909 sogar den Abriss des Turmes diskutieren. Dazu sollte es glücklicherweise nicht kommen. War der runde Turm ehemals das Zeichen der Macht des Landesherrn, so hatten die Düsseldorfer*Innen den allein stehenden Turm als ihr Wahrzeichen erkoren. Sein Stellenwert als bürgerliches Wahrzeichen demonstriert der Erfolg eines Karnevalsschlagers aus den 1930er Jahren, der weit bekannt werden sollte: „Am alten Schlossturm zu Düsseldorf am Rhein“ wurde zu einem Düsseldorfer Volkslied.
Nach gründlicher Renovierung wurde der Schlossturm 1936 als Garnisonsmuseum erstmals für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Wenige Jahre später, im Januar 1943 brannte der Turm nach einem Luftangriff bis auf die Außenmauern aus. Nach dem Krieg ergriffen die Bürger die Initiative und sicherten den Erhalt des Gebäudes. In den folgenden Jahrzehnten waren die Räume wieder an verschiedene Vereine vermietet.
Im Jahr 1976 standen grundlegende Erhaltungsmaßnahmen an. Eine Prüfung ergab dass „… sich praktisch nur eine museale Nutzung verwirklichen lässt.“ Der Freundeskreis hatte sich über 25 Jahre darum bemüht, für das SchifffahrtMuseum wieder ein Ausstellungsgebäude zu finden. Der Ratsbeschluss, dass hierfür der Schlossturm restauriert werden sollte, erfolgte dann im Jahr 1978.
Wenige Monate später überraschte der Fund eines zweiten, tief liegenden Kellergewölbes. Um eine museale Nutzung zu ermöglichen, musste mit Durchbrüchen der Grundmauern eine Verbindung der Kellergewölbe hergestellt werden. Aufgrund der verteuerten Baukosten rief der Rat der Stadt im November 1980 zu einer Spendenaktion auf und spendet als Grundstock sein Sitzungsgeld. Die Aktion hatte großen Erfolg: In drei Jahren gingen über 2 Mio. Mark ein, so dass am 14. Januar 1984 das SchifffahrtMuseum in den Schlossturm einziehen konnte.
Der Schlossturm auf dem Burgplatz ist heute eines der bedeutendsten Denkmäler und Wahrzeichen der Stadt Düsseldorf. Er erinnert an die große Zeit Düsseldorfs als Residenz der Herzöge von Jülich-Kleve-Berg und der Kurfürsten aus dem Hause Pfalz-Neuburg. Seit 1984 ist er mit dem SchifffahrtMuseum eng verbunden und ist seither für alle Düsseldorfer*Innen wie die Gäste der Landeshauptstadt öffentlich zugänglich.