Das „Flaggschiff“ der Sammlung des SchifffahrtMuseums

Das Modell der Jacht des Kurfürsten Johann Wilhelm gehört zu den ersten Ankäufen des SchifffahrtMuseums Düsseldorf. Er besaß mehrere Repräsentationsschiffe für seine Hofhaltung, zu denen es nur wenige Nachweise gibt. Die Suche nach den Vorbildern des Modellbauers führte zu einem seltenen vermuteten Werftmodell, das 1705-1715 entstanden war und auf spannenden Wegen ins Niederländische Schifffahrtsmuseum gelangte. Die Modellgeschichte verbindet Schiffbau- wie Sammlungsgeschichte mit der Düsseldorfer Schloss-, Stadt- und Landesgeschichte.

Autor*in
Dr. Annette Fimpeler,
Leonie Bindel M.A.

Veröffentlichungsdatum

08.04.2026

Die Museumsgründer hatten von Anfang an das Ziel Modelle zu erwerben, die nachweislich möglichst genau ihrem historischen Original entsprachen. Dazu hatten die Modellbauer bei Ankauf ihre Unterlagen zum Modellbau mit abzuliefern, u.a. schriftliche und bildliche Quellen wie auch ihre Planzeichnungen. Leider gingen diese Unterlagen bis auf einige wenige Nachweise im zweiten Weltkrieg verloren, so auch die Vorlagen zur Entstehung der Modelljacht des Kurfürsten Johann Wilhelms. Bei der Aufarbeitung zur Entstehung des Modells der Prunkjacht stellte sich heraus, dass bis heute nur wenige und zudem nicht sehr deutliche historische Abbildungen vorhanden sind. Da auch die Werften zur Zeit des Holzschiffbaues ihr Wissen hüteten, ist es eine spannende Frage, welche Vorlagen Hans Koenen zum Bau des fürstlichen Schiffes nutzte, zumal bis heute nur sehr wenige Historiker zu dieser Sonderform im Schiffsbau forschen.

Es ist nicht verwunderlich, dass die Museumsgründer schon früh darauf Wert legten, in ihrem geplanten Museum (Eröffnung 1937 in der „Grünen Halle“ des Planetariums, Vorläufer der heutigen Tonhalle) mit dieser Jacht auch den Sondertyp der barocken Repräsentationsschiffe vorstellen zu können. Sie stellt nicht nur diesen besonderen Schiffstyp in der Geschichte der rheinischen Binnenschifffahrt vor. Mit ihr verbindet sich gleichzeitig eine große Zeit der Düsseldorfer Stadtgeschichte, die als barocke Residenzstadt zur Zeit des Kurfürsten Johann Wilhelms einen glanzvollen Höhepunkt fand. Als Statussymbol für die barocke Hofhaltung hatten fähige Amsterdamer Schiffsbauer einen repräsentativen Schiffstyp entwickelt, der als „Exportschlager“ von ca. 1660 bis um 1700 gelten kann. Europaweit gingen von den Fürstenhöfen Aufträge ein. Der Begriff der „Jacht“ wandelte sich mit der Verbreitung dieser Schiffe und sollte zukünftig einen besonders luxuriösen Schiffstyp bezeichnen.

Der Rumpf lief in einem Spiegelheck aus und trug auf dem Achterdeck einen Pavillon, der diesen Typ kennzeichnete. Anfangs bestand die Besegelung aus Rahsegel, Sprietsegel und Dreiecksegel, später zeigten die Jachten eine Besantakelung. Als Binnenschiff wies dieser Typ einen platten Boden, geringen Tiefgang und Seitenschwerter auf. Typisch für das repräsentative barocke Zeitalter war die überaus reiche Ornamentik, die zum auffallendsten Merkmal dieser Jachten wurde: beginnend mit der Galionsfigur, über die Bugdekoration zu beiden Seiten des Schiffes, fortlaufend um die Stückpforten der Salutkanonen gipfelte sie in der Ausgestaltung der Spiegelheck-Verzierungen mit Galerien, Laternen, Wappen, vergoldeten und bemalten Figuren wie Girlanden, wobei auch die Seitenschwerter nicht ausgelassen wurden. Ebenso kostbar war die Ausstattung der Innenräume. Nicht nur der Stil der Schiffe, auch die unübertroffene Schiffsbautechnik ließ diese „Mode“ bis weit ins 18. Jahrhundert auf dem Rhein bestand haben.

Es gelangte wohl von Düsseldorf über Mannheim in die spätere Residenz der Kurfürsten aus dem Haus Pfalz-Neuburg, nach München. Letztlich erhielt es das Niederländische Schifffahrtsmuseum 1929 aus dem Besitz des Bayerischen Nationalmuseums. Koenen hatte gute Kontakte in die Niederlande und bemühte sich, nachweislich in anderen Fällen, europaweit um Informationen und Unterlagen aus Forschungsinstituten zu seinen geplanten Modellbauten. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Koenen dieser besondere Neuzugang des Niederländischen Schifffahrtsmuseums bekannt wurde. 

Da Johann Wilhelm diese Jachten (bis auf das erste Schiff) aus seinem persönlichen Vermögen bezahlte, gehörten sie zu seinem Privatbesitz, der in der Familie vererbt wurde. Mit den später erfolgten Residenzverlegungen seiner Nachfolger, zunächst nach Mannheim, 1777 dann mit der Übersiedlung des Kurfürsten Carl Theodors von Mannheim nach München, wurde neben Schmuck und Gemälden auch der weitere Familienbesitz mit nach München genommen. Letztlich gelangte dieser in die dortigen Museen. Das historische Modell ging in den Besitz der Sammlung des Bayerischen Nationalmuseums über. 

Im Vergleich des Düsseldorfer Modells mit dem zeitgenössischen in Amsterdam sind alle Merkmale der fürstlichen Jacht nachgebaut worden. Es ist anzunehmen, dass Hans Koenen vermutlich von diesem Modell seine genauere Vorstellung gewann, wie er den Nachbau einer der Jachten des Kurfürsten planen und ausgestalten konnte.
Alleine die Feinheit in der „Handschrift“ der historischen Modellbauer erreichte er nicht. Dies fällt insbesondere beim Schnitzwerk auf.

Nach dem Tod des Kurfürsten Johann Wilhelms 1716 blieben die Schiffe zunächst in Düsseldorf. Erst 1721 wurden einige nach Mannheim überführt, wo seine Nachfolger zunächst residierten. Noch in späteren Jahren erkundigte sich Kurfürst Carl Theodor nach dem Zustand seiner in Mannheim liegenden Schiffe (Noch im Jahr 1781 ordnete er eine Überholung der Jachtschiffe an, vgl. Kuhn, Jachtschiffe, S. 248).  Sie erhielten sich noch bis 1806. Carl Theodor verstarb 1799 und die nunmehrigen Besitzer zeigten kein Interesse mehr an diesen Jachten. Mit dem Übergang an das Großherzogtum Baden wurden sie „zugunsten der herzoglichen Schatulle“ versteigert, da „wir diese Instrumente einer persönlichen Liebhaberei und Belustigung als zum Privateigentum des vormaligen Regenten gehörig ansehen“ (Zitiert nach Kuhn, Jachtschiffe, S. 248, Nachweis Anm. 106). Vermutlich galten sie nicht mehr als modern und ihr Erhalt verursachte zudem großen Kosten.

Mit unserem Modellschiff der Jacht des Kurfürsten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg verbinden sich gleich mehrere spannende Geschichten. Es weist auf die Anfänge der Sammlungsgeschichte des Museums und knüpft wiederum an ein zeitgenössisches Modell aus der Barockzeit an. Die Prunkjachten stellen einen besonderen und luxuriösen Schiffstypen auf dem Rhein dar. An den Ufern der damaligen Stadt lagen gleich mehrere solcher Schiffe und sollten die Stellung „Jan Wellems“ und der Stadt sichtbar vorführen. Die enge Verbindung zwischen Düsseldorf und dem Rhein spiegelt das Modell damit ebenso wider und verweist auf eine bedeutende Zeit der Schloss-, Stadt- und Schifffahrtsgeschichte. 
Derzeit kann man es im 1. OG des SchifffahrtMuseums im Schlossturm bewundern.

Autorinnen: Dr. Annette Fimpeler und Leonie Bindel