12 Rheindampfer aus der Schweiz „ankern“ im Schlossturm

Im Jahr 2023 wurde dem SchifffahrtMuseum überraschend eine Sammlung Schiffmodelle aus der Schweiz angeboten. Die Modelle zeigen frühe Personendampfer vom Rhein und sind zum Teil über 100 Jahre alt. Über welche Stationen diese Schiffe zunächst in die Schweiz gelangten und letztlich ihren Weg nach Düsseldorf fanden, erfahren Sie auf einer kleinen Reise in die Geschichte der Sammlung, die bis ins 19. Jh. zurückreicht.

Autor*in
Thomas Belz M.A.

Veröffentlichungsdatum

09.04.2025

Der lange Weg einer Modellsammlung nach Düsseldorf

Vor gar nicht allzu langer Zeit, im Jahr 2023, wurde dem SchifffahrtMuseum Düsseldorf überraschend eine Sammlung Schiffmodelle aus der Schweiz angeboten. Die Modelle zeigen größtenteils frühe Schiffe der Köln-Düsseldorfer Dampfschifffahrtsgesellschaft und sind zum Teil über 100 Jahre alt. 
Heute, am 9. April 2025, dem 7. Internationalen Tag der Provenienzforschung möchten wir Sie auf eine kleine Reise in die Geschichte dieser Sammlung mitnehmen, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Wir berichten, wie diese Modelle, deren Vorbilder einst vor allem auf dem Mittel- und Niederrhein fuhren, in die Schweiz gelangten und letztlich ihren Weg nach Düsseldorf fanden.

Eine journalistische Anfrage an das Museum zur Geschichte der Modellvorbildervom 19. April 1960 bringt uns einen Schritt weiter in die Vergangenheit der Sammlung. Zur Beantwortung wurde anschließend nicht nur die Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrt in Köln um Auskunft gebeten, sondern auch der in diesem Bereich als Fachmann geltende Prof. Dr. Anton Felix Napp-Zinn (1899-1965), in jenen Jahren Professor der Verkehrswissenschaft an der Universität Frankfurt am Main. Dazu erhielten diese eine Auflistung mit den Namen der zwölf Modelle, die sich ebenfalls erhalten hat. 
Damals waren die Schiffsmodelle erst seit wenigen Jahren in einer Dauerausstellung im Basler Rheinhafen an der Westquaistrasse 2 zu sehen, die durch eine Stiftung der Schweizerischen Reederei A.G. unter dem Titel „Unser Weg zum Meer“ 1954 eröffnet werden konnte. 
Dass die Modelle bereits zur Eröffnung des Hafenmuseums präsentiert wurden, beweisen uns Dokumente aus dem Jahr 1953. Diesen entnehmen wir, dass die Schweizerische Reederei A.G. in der Planung der Basler Ausstellung gezielt einen privaten Sammler zum Erwerb der zwölf Modelle angefragt hatte. Für den Preis von 5.000,- Schweizer Franken wechselten die Modellschiffe am 14. September 1953 den Besitzer. Unsere Recherche führt uns damit nach Zürich.

Wilhelm Kahl hatte einen Großteil seiner Sammlung bereits im Jahr 1932 aus der Erbmasse eines verstorbenen Bekannten aus dem Züricher Yachtclub erworben. Die kreuz und quer in dessen Haus aufgestellten und penetrant nach Pfeifentabak duftenden Modelle musste er anschließend in Monaten mühevoller Arbeit von einer dicken Staubschicht befreien. In der kleinen Züricher Junggesellenwohnung über der Limmat hatte sie Franz Joseph Wilhelm Reitz (1861-1932) zusammengetragen. Reitz, gebürtiger Mainzer, Schiffsbaumeister und Oberingenieur bei der Escher-Wyss & Co war der Schifffahrt eng verbunden. Während seiner beruflichen Laufbahn entstanden unter seiner Aufsicht in den Jahren von 1889 bis 1921 wohl auch zirka 342 echte Schiffe.
Bei seinen zahlreichen Auslandsreisen zu den Auftraggebern, so wird es von den Kindern Wilhelm Kahls beschrieben, wurde Reitz wohl auch auf Schiffsmodelle aufmerksam, die er in Museen und bei privaten Sammlern entdeckte. Das soll ihn zu seiner eigenen Sammeltätigkeit motiviert haben, die er wohl intensiv während seiner Berufszeit seit 1889 verfolgte. Diese Leidenschaft war so prägend, dass sein „ausserordentlich interessantes Museum von allen möglichen Schiffsbautypen“ auch in seinem Nachruf eigens Erwähnung fand.

Falls Ihnen der Weg nach Düsseldorf zu weit ist, können Sie die Modelle seit heute auch als kleine virtuelle Ausstellung im E-Museum der Landeshauptstadt betrachten.